Rovos Rail

Sonntagmorgen, 9.35 Uhr, unsere Maschine mit der Flugnummer MN93 hebt sanft vom Lanseria International Airport in Johannesburg ab. Über den Wolken, ganz nach dem Liedertext von Reinhard May, kann das Leben grenzenlos sein. Grenzenlos – auf was für ein Abenteuer haben wir uns dieses Mal in Südafrika eingelassen? Was ein Flugzeug nach Kapstadt in gut 2 Stunden schafft, werden meine Frau und ich in den nächsten 2 ½ Tagen mit dem Rovos Rail Luxuszug von Kapstadt nach Pretoria zurücklegen. 1,600 Kilometer im Luxus! Gespannt sind wir jetzt schon; auf die Begegnungen und – unsere “Kreuzfahrt auf Schienen” Als wir mit dem Taxi das Transnet Gebäude in der Adderley Street in Kapstadt erreichen, ist der rote Teppich bereits ausgerollt und das Personal der Rovos Rail erwartet uns. Die Herren im adretten Anzug mit Kravatte und die Damen im Kostüm begrüßen uns herzlich und nehmen unser Gepäck in Empfang. Im viktorianischen Ambiente der Lounge fühlen wir uns in die Vergangenheit gebeamt Mit einem Begrüßungsgetränk, Sekt oder Orangensaft, sitzen wir auf dem Sofa, genießen die klassische Live Musik und lernen die Passagiere aus aller Herren Länder, wie England, Australien, Amerika, Phillipinen, Norwegen, Südafrika und Deutschland, kennen. Die freundlichen Rovos Mitarbeiter kümmern sich um alle Gäste und lassen es uns an nichts fehlen. Ohne den Luxuszug schon gesehen zu haben, fühlen wir uns bereits entspannt und in freudiger Erwartung. Wann geht es los? Kaum haben wir diesen Gedanken zu Ende gedacht, hören wir die Stimme von Rohan Vos, dem Gründer von Rovos Rail, mit seiner persönlichen Begrüßung und der Einweisung zu unserer bevorstehenden Reise. Persönlich mit Namen aufgerufen und von Herrn Vos verabschiedet, werden wir zum Zug im Hauptbahnhof von Kapstadt eskortiert. Unsere Kreuzfahrt auf Schienen kann beginnen. Auf dem Bahnsteig erwartet uns nicht nur der luxuriöse Rovos Rail Zug ˮThe Pride of Africaˮ, sondern auch eine freundliche Zugbegleiterin, die uns zu unserer Suite führt. Während der Zug langsam aus dem Bahnhof in Richtung Weinbaugebiete der Kapregion rollt, stellen sich der Zugmanager und sein Team vor. Bis zum Mittagessen nutzen wir die Zeit uns in unserem neuen Heim einzurichten. Es fehlt an nichts. Außer einem praktischen Badezimmer mit Dusche, einer Kuschelwiese die von Wand zu Wand reicht und genug Stauraum für Kleidung und Koffer gibt es einen Kühlschrank mit Getränken unserer Wahl, Wasserkocher, Tee und Kaffee. Sogar ein Erste-Hilfe-Kit mit Nadel und Faden, Pflaster, und Vielem mehr ist vorhanden. Gemütlich sitzend beobachten wir Farmer, die ihrer Arbeit in dieser wunderschönen Kaplandschaft nachgehen. Der Zug rollt rhythmisch ratternd über die Schienen und wir hängen unseren Träumen nach. Je nach Streckenabschnitt wechselt die Lokomotive unseres Rovos Zuges zwischen Diesel- und Elektrozugmaschine. So laufen wir verschiedene „Häfen“ auf unserer Kreuzfahrt auf Schienen an, doch nicht überall ist „Landgang“. Während der Zug mit maximal 60 km/Std über die Schienen rattert, frühstücken wir nicht nur in entspannter, luxuriöser Atmosphäre im viktorianischen Speisewaggon, sondern lassen uns auch im Aussichtswaggon verwöhnen, genießen das nostalgische Ambiente, und bewundern die südafrikanische Landschaft mit ihrer wechselnden Vegetation. Unsere Fahrt mit ˮThe Pride of Africaˮ fährt von Worcester durch das Hex River Valley mit dem Hex River Gebirge nach Touws River. In diesem Tal liegen viele Farmen, die vom Anbau von Weintrauben leben. Der Ertrag ist für den Export bestimmt, die Trauben als auch der Wein. Plötzlich wird es dunkel – und auch gar nicht so schnell wieder hell! Wir fahren durch den längsten der vier Tunnel auf dieser Strecke, 13,5 km. Dieser Streckenabschnitt über einen neuen Pass wurde 1989 neu eröffnet und ist um 8 km kürzer, als die vorherige Strecke. Am frühen Abend laufen wir im historischen Ort Matjesfontein ein, ein viktorianisches National Monument. Auf eigene Faust erkunden wir das Transportmuseum mit historischen Autos und Eisenbahnwaggons, das Lord Milner Hotel und auch das Museum am Bahnsteig. „It’s show time, if you can’t turn right, you turn left“ ertönt die Stimme des Fremdenführers, der uns in einen roten, englischen Doppeldeckerbus zur kürzesten Stadtrundfahrt Südafrikas einlädt. Zum Mittag und zum Abendessen lädt uns der Gong in den Speisewaggon ein. Während unserer Kreuzfahrt genießen wir exzellente Menüs mit auserwählten, südafrikanischen Weinen. Da kommt uns der Gedanke, wie es wohl zu Paul Krugers Zeiten gewesen sein mag, als er den Krieg aus dem Zug leitete? Ein aufregendes Erlebnis, die erste Nacht auf Schienen! Wir empfinden das Schaukeln und Stoßen des Zuges als entspannend und einschläfernd. Die Fahrt bis zum nächsten Halt in Kimberley führt durch die Karoo über Beaufort West und De Aar. Nachmittags erreichen wir Kimberley. Dort werden wir direkt am Bahnhof von einer Reiseleiterin abgeholt, die uns interessante Details über die Stadt und das Diamantenminen-Museum mit dem berühmten ‚Big Hole‘ erklärt und entdecken läßt. Bei Sonnenuntergang erleben wir eine spektakuläre Ansammlung von Tausenden von Flamingos an einem flachen See in der Nähe von Kimberley. Diese Szene halten wir zur Erinnerung im Bild fest. Beim nächsten Erwachen befinden wir uns schon wieder am Witwatersrand in Gauteng. ˮThe Pride of Africaˮ schaukelt gemächlich durch Krugersdorp, Germiston und Johannesburg nach Pretoria. Wir erleben und beobachten das Treiben der Menschen fast hautnah, es trennt uns nur der rollende Zug, die Waggonwand von ihnen. Das Ankommen in Pretoria am Rovos Rail Bahnhof ist schon etwas Besonderes. Wenige Kilometer vor dem Bahnsteig wird die Lokomotive ein letztes Mal gewechselt. Von einer Dampflokomotive gezogen läuft der Zug dort ein. Alle Reisenden stehen auf der Aussichtsplatform des Zuges und verfolgen gebannt das Einlaufen der ˮPride of Africaˮ in den Bahnhof, begleitet vom Zischen der Lok mit ihrem immer schneller werdenden shu shu, shu shu… Erinnerung aus längst vergangenen Tagen. Angekommen! Nun heißt es aussteigen und sich verabschieden. Wir verweilen noch ein wenig, um uns die Wartungshallen für Züge und Lokomotiven anzusehen. Auf dieser außergewöhnlichen Kreuzfahrt haben wir uns entspannt und wurden, wie schon erwähnt, sehr verwöhnt. Persönlicher Service und Gastfreundschaft stand bei unserem Rovos Rail Team auf unserer Kreuzfahrt auf Schienen an erster Stelle. Herzlichen Dank an das Team!